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Geschichte Polens

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Geschichte Polens Artikel

Siehe auch: Polen / Liste der Herzöge und Könige von Polen== Mittelalter: Die Piasten ==

Das etliche Jahrzehnte später so benannte Land Polen, dessen Name sich von dem altslawischen Stamm der Polanen ableitet, ist als Herzogtum in dem 10. Jahrhundert von Posen und Gnesen aus gegründet worden, als in Westeuropa das Reich von Karl dem Großen existierte. Es wurde in jener Zeit vom Piastenfürst Mieszko I. regiert. Mieszko I. nahm das Land zwischen Oder und Warthe 963 von Kaiser Otto I. zu Lehen (siehe Karte "Polen 992" [weiß auf der Karte]) [1] (http://freepages.history.rootsweb.com/~koby/political/chapter_02/0205pol992.html). Mieszko gab dann zusätzlich Otto II. und Otto III. die Lehnseide. Das Gebiet, welches später als Polen zusammengefasst wurde, erreichte durch kurzfristig anhaltende Eroberungen unter Mieszko und seinem Sohn Boleslaw I. dem Tapferen (BolesÅ‚aw I Chrobry) Grenzen, die den heutigen Staatsgrenzen sehr nahe kamen. Herzog Boleslaw I. wollte nicht dem Kaiser Heinrich II. den Lehnseid geben für das geliehene Land und etliche Jahre Krieg brachen aus, bis er den Eid abgab. Boleslaw machte sich selbst zu dem König, als Heinrich II. in 1024 starb, starb aber dann ebenfalls einige Monate danach.

966 wurde das Land noch unter Herzog Mieszko römisch-katholisch. Mit dem Heiligen Römischen Reich verband Polen damals weitreichende Kooperation. Die piastischen Könige waren durch ihre Herrschaft über Pommern auch gleichzeitig Vasallen des Heiligen Römischen Reiches.

König Kasimir I. verlegte die Hauptstadt nach Krakau. Unter Kasimir erlangten die Adeligen stets mehr Mitspracherechte, die polnischen Teilfürstentümer verlangten stets mehr Selbständigkeit. Pommern und Schlesien verselbständigten sich in dem 12. Jh. wieder und gingen schließlich für Polen verloren. Hinzu kamen Überfälle der baltischen Altpreußen oder auch Pruzzen. Diese waren dabei, ein Teil ihres Landes zurückzuerobern, welches vor ein paar Jahren von Konrad von Masowien den Pruzzen entrissen worden war.

Der Fürst Konrad I. von Masowien rief den Deutschen Orden in das Land, um sich Hilfe zu holen bei der Sicherung des von den Prußen eroberten Landes (Chełmno nad Wisłą). In dem Laufe der darauf folgenden Zeit kam es zu wachsenden Gegensätzen zwischen Polen und dem deutschen Orden, der inzwischen in Ostpreußen einen eigenen Staat etabliert hatte.

Diese Gegensätze führten nach und nach zur offenen Auseinandersetzung Polens mit dem Deutschen Orden und leiteten das jahrhundertelange Bündnis Polens und Litauens ein. Höhepunkt dieser Auseinandersetzung war die Schlacht bei Tannenberg am 15.07 1410, bei der das litauisch-polnische Heer den Deutschen Orden vernichtend schlug.

Inhaltsverzeichnis

Renaissance: Die Jagiellonen

Mit dem Tod König Kasimirs III. des Großen (Kazimierz III Wielki), der 1364 die Universität von Krakau gegründet hatte, erlosch das Herrscherhaus der Piasten in der Hauptlinie. 1385/86 wurde Polen durch Heirat mit dem damals noch nicht christianisierten Litauen verbunden. Der litauische Großfürst Jagiello (Jogaila) ließ sich taufen, verband sich ehelich mit Polens Königin Hedwig von Anjou (Jadwiga Andegaweńska), bestieg den polnischen Thron und begründete als König Wladyslaw II. Jagiello (Władysław II Jagiełło) von Polen das Herrscherhaus der Jagiellonen.

Unter seinen Nachfolgern, zu dem Teil dynastisch mit Habsburg verbunden, stieg das polnisch-litauische Reich in dem 16. Jahrhundert zu einer der führenden Kontinentalmächte Europas auf und dehnte sich weit nach Osten aus. Die jagiellonischen Könige befestigten die jahrhundertelange Herrschaft Polens über Gebiete wie Litauen, Kurland, Polesien, Wolynien, Podolien und die Ukraine.

Hinzu kam, insbesondere während der Regierungszeit des Renaissancekönigs Sigismunds I. des Alten (Zygmunt I Stary), eine Blüte von Literatur und Kunst, wobei das bis dahin in dem Schrifttum dominierende Latein zugunsten des Polnischen zurücktrat, das sich ab etwa 1500 zu voller Ausdruckskraft entfaltete. Krakau stieg zu dem führenden Zentrum des Buchdrucks in Ostmitteleuropa auf. Die Dichter MikoÅ‚aj Rej, Jan Kochanowski und Å?ukasz Górnicki begründeten die polnische Literatur, der Philosoph Andrzej Frycz-Modrzewski die polnische Staatstheorie und Nikolaus Kopernikus (MikoÅ‚aj Kopernik) das heliozentrische Weltbild. Religiös Verfolgte aus ganz Europa fanden in dem (damals) toleranten Polen Zuflucht, unter anderem Gelehrte aus Böhmen und Deutschland. In Architektur und Kunst spiegelten sich italienische und französische Einflüsse. Zahlreiche Adelspaläste, Bürgerhäuser und Kirchen entstanden, das Krakauer Königsschloss auf dem Wawel-Hügel wurde zur prunkvollen Residenz ausgebaut, neue Städte gegründet. Der Großkanzler Jan Zamoyski ließ eine Renaissance-Modellstadt, Zamość, anlegen, Lemberg (Lwów), Wilna (Wilno) und Posen (PoznaÅ„) stiegen zu wichtigen Kulturzentren auf, Danzig (GdaÅ„sk), die "Perle Polens", zu dem Handelshafen des Landes.

Die Adelsrepublik

1572 verstarb der letzte Jagiellonenkönig, Sigismund II. August (Zygmunt II August) - ebenfalls ein großer Kunstmäzen. Polen wurde zur Adelsrepublik und führte die Wahlmonarchie ein. Adel und Hochadel hatten 1569 ihre Vormachtstellung in dem Staat in der Lubliner Union zementiert, die zugleich die polnisch-litauische Personalunion in eine Realunion umwandelte. Für Litauen bedeutete dies die weitgehende Polonisierung seiner Führungsschicht und weiter Teile der Bevölkerung (siehe auch Geschichte Litauens). Über viele Jahrzehnte war die Adelsrepublik (Rzeczpospolita) der größte Staat Europas. Sie umfasste das heutige Zentral-, Nord- und Ostpolen, Litauen, Lettland, Weißrussland und die Ukraine.

Erster Wahlkönig Polens wurde 1573 Heinrich von Valois (Henryk Walezy) - ab 1574 als Heinrich III. König von Frankreich. Sein Nachfolger, König Stephan Báthory (Stefan Batory), ein geschickter Taktiker in dem adeligen Machtgefüge, führte Polen siegreich in militärische Auseinandersetzungen mit dem Osten (Moskowiter). 1579 gründete er die Universität von Wilna (Wilno). König Sigismund III. Wasa (Zygmunt III Waza), der als Jagiellonen- und Wasa-Spross beide Geschlechter in sich vereinte und die katholische Wasa-Linie repräsentierte, verlegte 1596 die Königsresidenz nach Warschau - wegen seiner zentralen Lage in Polen und der größeren Nähe zu Sigismunds Erbkönigreich Schweden. Kriege gegen das Großfürstentum Moskau (Besetzung Moskaus) und Schweden sowie innere Unruhen (Kosakenaufstand 1648 unter Bogdan Chmielnicki) überforderten in dem Verlauf des frühen 17. sowie während des 18. Jahrhunderts die Adelsrepublik zunehmend. Gebiete entlang der Ostsee gingen an Schweden und Teile der Ukraine, Litauens und Weißrusslands an die Moskowiter verloren. 1673 konnten die Türken (Osmanisches Reich) bei Chocim in Podolien besiegt werden.

Unter König Johann III. Sobieski (Jan III Sobieski) kam es Ende des 17. Jahrhunderts noch einmal zu einer kurzen politisch-kulturellen Blütezeit (1683 zweiter Sieg über die Türken in der Schlacht am Kahlenberg vor den Toren Wiens), die sich in reicher Barockliteratur (Jan Andrzej Morsztyn, Wacław Potocki, Jan Chryzostom Pasek) und -architektur (Wilanów ) niederschlug, sich jedoch unter dem sächsischen Kurfürsten und polnischen König August II. dem Starken (August II Mocny) rasch ihrem Ende zuneigte.

Die Zeit der Teilungen

Das 18. Jahrhundert markiert den Niedergang Polens. Machtkämpfe innerhalb des Hochadels (Magnatentum), das Fehlen einer Zentralgewalt und die völlige Lähmung des Staates und der Gesetzgebung (vor allem infolge des Liberum Veto) führten 1772, zu Anfang der Regierungszeit des letzten polnischen Königs Stanislaus II.08 (Stanisław II August Poniatowski), eines Aufklärers und Förderers von Wissenschaft und Kunst, zur Ersten Teilung Polens, in der Preußen Pommerellen und Danzig (Gdańsk) annektierte, Russland Teile Weißrusslands und Österreich Gebiete in Südpolen (Galizien).

Gleichwohl stellten die letzten Jahrzehnte der polnischen Unabhängigkeit eine Zeit des Aufschwungs für die Hauptstadt dar. Bereits 1747 hatten die Grafen ZaÅ‚uski die erste öffentliche Bibliothek des Landes angelegt (eine der ältesten in Europa). In Warschau konzentrierten sich sämtliche Aktivitäten des so genannten Reformadels, zahlreiche Bildungseinrichtungen und Manufakturen wurden gegründet. Es entstanden prunkvolle Bauten und Parks (Å?azienki, Ujazdów). Verewigt ist die Atmosphäre jener Jahre in den Stadtveduten des Venezianers Bernardo Bellotto (Canaletto), Hofmaler bei Stanislaus August Poniatowski. Die Staatsreformer Hugo Kołłątaj und StanisÅ‚aw Staszic riefen die Kommission für nationale Bildung (Komisja Edukacji Narodowej) sowie die Gesellschaft für Wissenschaft (Towarzystwo Przyjaciół Nauki) in das Leben, auf Initiative des Königs wurde die Zeitschrift "Monitor" gegründet, die Logen der Freimaurer hatten regen Zulauf (Cagliostro, Casanova). Dichter (Ignacy Krasicki, Adam Naruszewicz, StanisÅ‚aw Trembecki) konkurrierten mit Dramatikern (Franciszek ZabÅ‚ocki, Wojciech BogusÅ‚awski, Julian Ursyn Niemcewicz). Graf Jan Potocki, Völkerkundler und Schriftsteller, erhob sich per Heißluftballon über die Stadt, der Pflanzerssohn Lewis Littlepage aus Virginia bereiste als königlicher Sekretär und Diplomat die Höfe Europas.

Am 3.05 1791 trat der Sejm zusammen. Polen gab sich die erste geschriebene Verfassung Europas, die für die damalige Zeit als revolutionär galt. Durch von außen geschürte politische Instabilität (Konföderation von Targowica gegen die Verfassung) wurde jedoch die Zweite Teilung Polens in dem Jahre 1793 begünstigt, in deren Verlauf Preußen das polnische Kernland um Posen (PoznaÅ„) als Provinz zugeteilt bekam, während Russische Förderation weitere Teile Weißrusslands und der Ukraine erhielt. Der darauf folgende nationale Aufstand gegen die Besatzer unter Tadeusz KoÅ›ciuszko bot, nach Teilsiegen der Aufständischen, den Anlass, den Reststaat 1795 vollends zu liquidieren (Dritte Teilung Polens).

1807 errichtete Napoleon zwar ein Großherzogtum Warschau, das aber nach den napoleonischen Kriegen als "Kongresspolen" zu einem russischen Satellitenstaat wurde, der stets mehr Einschränkungen hinnehmen musste.

In den drei Landesteilen fanden 1830/31 (Roman Soltyk), 1846 und 1863 Aufstände statt. Vor allem in Preußen und Russische Förderation wurde eine radikale Germanisierungs- beziehungsweise Russifizierungspolitik durchgeführt. In dem 1. Weltkrieg versuchte das Deutsche Reich die polnische Bevölkerung für sich zu gewinnen, indem es ein unabhängiges Königreich Polen auf russisch beherrschten Landesteilen in Aussicht stellte und 1916 proklamierte.

Piłsudski zog mit seiner Armee zusammen mit Österreich und Deutschland gegen die russische Armee.

Die Zweite Republik: Zwischen Demokratie und Diktatur

Anfang des Jahres 1918 gewann Polen zusammen mit anderen Ländern durch den Friedensvertrag von Brest-Litowsk seine Unabhängigkeit von Russische Förderation. Durch Eintritt der Vereinigte Staaten Amerika verlor Deutschland schließlich den Krieg, der Vertrag von Brest-Litowsk wurde von den Sowjets annulliert. Polen wurde unabhängige Republik und bekam die preußische Provinz Posen, Teile Oberschlesiens und einen Zugang zur Ostsee bei Gdingen (Gdynia) inder Nähe von Danzig (GdaÅ„sk) ("polnischer Korridor").

Um den Besitz Schlesiens kam es zu Auseinandersetzungen mit Deutschland. In Oberschlesien ergab eine Volksabstimmung am 20. März 1921 über die staatliche Zugehörigkeit des Gebiets eine Mehrheit von fast 60 % für den Verbleib beim Deutschen Reich. Polnische Freischärler begannen daraufhin am 3. Mai 1921, unterstützt von französischen Besatzungstruppen, einen bewaffneten Aufstand, um den Anschluß an Polen gewaltsam duchzusetzen.

Das Deutsche Reich konnte aufgrund der Beschränkungen durch den Versailler Vertrag und aufgrund der Intervention der anglo-französischen Sieger nicht gegen die Freischärler vorgehen. Mit Billigung der deutschen Regierung versuchten Freikorps den Anschluß an Polen zu verhindern. Am 23. Mai 1921 gelang den Deutschen Freikorps des "Selbstschutz Oberschlesien" die Erstürmung des Annabergs, der stärksten Befestigung der Polen und eine Stabilisierung der Lage. Am 20. Oktober 1921 beschloß der Oberste Rat der Alliierten nach einer Empfehlung des Völkerbunds, das ostoberschlesische Industrierevier an Polen zu übertragen. Beim Deutschen Reich verblieb der zwar flächenmäßig größere, jedoch rein agrarisch strukturierte Teil des Abstimmungsgebiets.

1918 wurde J. PiÅ‚sudski Staatspräsident des wiederentstandenen Polen. Die von den Alliierten ausgearbeitete Curzon-Linie, die die polnische Ostgrenze entlang des Bugs zog, wurde von Polen nicht akzeptiert. Pilsudski versuchte, die Grenzen des piastischen Polens unter Einschluss Litauens, Weißrusslands und der Ukraine, die damals von Millionen von Polen bewohnt wurden, wiederherzustellen. Litauen, das seine Unabhängigkeit gerade gegen Russische Förderation durchgesetzt hatte, wurde von polnischen Truppen angegriffen. Die litauische Hauptstadt Wilna wurde besetzt, ebenso wie (vorübergehend) Kiew in der Ukraine - was, aufgrund der ähnlichen territorialen Ansprüche der Sowjetunion zu dem Angriff Polens auf die Sowjetunion 26.04.1920 und damit zu dem polnisch-sowjetischen Krieg führte: Zunächst drangen die polnischen Truppen unter General Rydz-Smigly mit Unterstützung von nationalukrainischen Kräften bis nach Kiew vor. Der schnelle Erfolg war durch das Ausweichen der sowjetischen Truppen begünstigt, die nach der Eroberung Kiews durch die Polen eine Gegenoffensive starteten. Die sowjetischen Einheiten unter Budionny drangen bis vor Warschau, während Stalin Lemberg belagerte. Durch ein waghalsiges Zangenmanöver gelang der polnischen Armee unter Pilsudskis Kommando der Durchbruch und eine nahezu vollständige Vernichtung der sowjetischen Einheiten: während die polnischen Einheiten versuchten, die Armee des Budionny bei Radzymin (nordöstlich von Warschau) aufzuhalten, startete Pilsudski vom Fluss Wieprz (Wojewodschaft Lublin) eine Großoffensive in Richtung Norden. Der Überraschungseffekt war so groß, dass die letzten sich zurückziehenden Einheiten der Roten Armee über deutsches Gebiet - Ostpreußen - flüchten mussten.

1921 wurde in Riga (Lettland) der Friedensvertrag zwischen den Kriegsparteien geschlossen und der Aufbau des Landes in dem Inneren in Angriff genommen. Polen entwickelte hierbei insbesondere gute Beziehungen zu Großbritannien und Frankreich - welche den Bau eines neuen Hafens in Gdingen (Gdynia) finanzierten. Aus dem preußischen Fischerdorf mit 1 Tausend Einwohnern wurde in wenigen Jahren ein polnischer Groß- und Militärhafen mit über 100 Tausend polnischen Einwohnern. Ebenso wurde aus dem Danziger Hafen Westerplatte ein polnisches Munitionslager. Der Zugang zu Ostpreußen vom restlichen Deutschen Reich war ca. noch per Korridorzug (von Chojnice/Konitz bis Tczew/Dirschau Fahrt durch das polnische Gebiet) auf der Ostbahn oder per Schiff (Seedienst Ostpreußen ) möglich.

1935 starb Piłsudski, was Polen schwächte. Parallel dazu wuchs die Bedrohung aus Deutschland, das die Abtretung von Posen und dem polnischen Korridor nicht akzeptieren wollte.

Als eine bittere Ironie erscheint es, daß Polen kurz bevor es selbst von Deutschland überfallen werden sollte, einer in dem Zuge der deutschen Zerschlagung des tschechoslowakischen Staates erteilten Erlaubnis der deutschen Regierung folgte, Gebietsforderungen an die Tschechoslowakei zu stellen.

Nach Kündigung des deutsch-polnischen Nichtangriffspaktes 1939 folgte der Überfall Deutschlands auf Polen am 1.9.1939, was den Kriegseintritt Großbritanniens und Frankreichs und damit den Zweiten Weltkrieg zur Folge hatte. Am 17.9. wurde Polen - wie im geheimen Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Pakts vorgesehen - auch von der Sowjetunion angegriffen.

Zweiter Weltkrieg: Das besetzte Polen

Geschichte Polens Beschreibung
Geschichte Polens Beschreibung
Wladyslaw Sikorski

Polen wurde 1939 zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt, die polnische Regierung von Ministerpräsident Sikorski ging zuerst nach Paris, später nach London in das Exil und organisierte von dort aus die Streitkräfte neu.

Die Besatzungszeit hatte für große Teile der polnischen Zivilbevölkerung katastrophale Folgen. Die deutsche Besatzungsmacht errichtete ein Generalgouvernement Polen, im Polen den Status von Arbeitssklaven erhielten. Langfristig sollte der gesamte polnische Raum germanisiert werden, was in der Konsequenz die Vernichtung des polnischen Volkes einschloss. Die Namen von Vernichtungslagern, wie Auschwitz, Majdanek oder Sobibor, stehen für unzählige Morde an polnischen Staatsbürgern durch Deutsche.

Auch die Polen, die in Ostpolen unter sowjetische Herrschaft geraten waren, waren von Menschenrechtsverletzungen betroffen. Viele Menschen wurden nach Sibirien deportiert; ein eklatantes Verbrechen war die Massenerschießung von polnischen Offizieren durch sowjetische Truppen bei Katyn 1940.

Während des Krieges und der Besatzungszeit kamen über 6 Mio. Polen, davon 3 Mio. jüdische Einwohner, ums Leben.

Durch Bildung von Partisanengruppen versuchten Polen auch nach der militärischen Niederlage Widerstand zu leisten. 1943 wurde ein Aufstand in dem jüdischen Ghetto von Warschau niedergeschlagen. 1944 scheiterte der Warschauer Aufstand, eine Erhebung der polnischen Heimatarmee, der größten polnischen Widerstandsorganisation unter General Tadeusz Komorowski und Oberst Antoni Chrusciel, die der Exilregierung in London unterstand, da die Sowjetunion kein Interesse hatte, diese Einheiten zu unterstützen. Die Innenstadt Warschaus wurde von deutschen Truppen unter kaum nachvollziehbar großem Einsatz an Sprengmaterial, akribisch Haus für Haus dem Erdboden gleichgemacht.

Angesichts der ganz offenbaren Leiden der polnischen Bevölkerung wurde lange die Tatsache verdeckt, dass es auch Polen gab, die zu Tätern geworden waren. Angestoßen wurde eine Debatte über polnische Täter durch die Geschehnisse in dem Ort Jedwabne unweit Lomza, wo sich polnische Nachbarn an der Ermordung ihrer jüdischen Mitbürger beteiligt hatten.

Nach dem Potsdamer Abkommen 1945 setzte Stalin mit Zustimmung der Alliierten neue Staatsgrenzen in Osteuropa durch, was zu einer Verschiebung der polnischen Staatsgrenzen nach Westen, in die Grenzen des mittelalterlichen Piastenreiches, führte. Um diese auch zu "ethnischen Grenzen" zu machen, wurde die "Umsiedlung" der dort lebenden Menschen mit der "falschen Nationalität" beschlossen.

Bei der Vertreibung der Deutschen aus den durch die Alliierten Polen zuerkannten Teilen des ehemaligen Deutschen Reiches und Danzigs, wie (dem südlichen) Ostpreußen, Westpreußens, Pommerns, der Neumark Brandenburgs und Schlesiens, kam es zu zahllosen Mißhandlungen und Morden an der hilflosen Zivilbevölkerung des verhassten Nachbarn. Aber auch soweit man die Deutschen nicht umbrachte, wurde ihnen teilweise ca. eine Stunde Zeit eingeräumt, um ihre seit Jahrhunderten bewohnten Dörfer mit höchstens 20 Kilo Gepäck zu verlassen. Aus den östlichen Teilen Polens wurden in 1945-1946 etwa 0,5 Mio. Ukrainer zu dem Teil gewaltsam in die sowjetische Ukraine umgesiedelt.

In den ehemals deutschen Gebieten wurden die aus der Ukraine, Litauen und Weißrussland vertriebenen Polen und ehemalige Zwangsarbeiter angesiedelt, die aus Deutschland zurückströmten.

Die Volksrepublik: Herrschaft der Kommunistischen Partei

Die Ostgrenze Polens (Curzon-Linie) wurde 1945 von der kommunistischen Regierung anerkannt. Gleichzeitig fanden Verstaatlichungen und Kollektivierungen statt. 1950 wurde die Oder-Neiße Linie als polnische Westgrenze auch von der DDR anerkannt.

1956, 1970 und 1980 kam es in Industriebetrieben (v. a. an der Küste) zu Streiks gegen die kommunistische Regierung, die gewaltsam niedergeschlagen wurden. Parallel wurde in den 1970er Jahren unter dem deutschen Kanzler Brandt eine Entspannung in dem westdeutsch-polnischen Verhältnis eingeleitet (Warschauer Kniefall ).

Wendezeit 1980-1990: Kampf um Demokratie und Unabhängigkeit

Während des Streiks 1980 wurde die unabhängige Gewerkschaft Solidarność unter Lech Wałęsa gegründet und gerichtlich bestätigt. 1981 wurde General Wojciech Jaruzelski Präsident und verhängte das Kriegsrecht, um mehr Vollmachten in dem Kampf gegen Solidarność zu haben. Mehr als 1 Tausend Personen wurden interniert. Ende der 80er Jahre wurde der Druck durch stets neue (von der katholischen Kirche unter Papst Johannes Paul II. moralisch unterstützte) Streiks so groß, dass in Runden-Tisch-Gesprächen für 1989 freie Wahlen angesetzt wurden. Die Zahl der Abgeordnetenmandate, die für die Opposition erreichbar waren, wurde allerdings beschränkt. Als Solidarność jedoch die volle Zahl der erreichbaren Mandate errang, bedeutete dies das Ende der kommunistischen Herrschaft. Wałęsa wurde Staatspräsident und Polen ein freier, marktwirtschaftlicher Staat. Diese Ereignisse trugen maßgeblich zu dem Fall der Mauer in Deutschland und zu dem Niedergang des Kommunismus in dem östlichen Europa bei.

Die Dritte Republik: Euroatlantische Integration

1990 wurde die Westgrenze Polens durch das wiedervereinigte Deutschland unter Bundeskanzler Helmut Kohl anerkannt. Kohl vollendete damit, was Willy Brandt zu Beginn der 1970er Jahre begonnen hatte. Die Kontakte Polens zu seinem westlichen Nachbarn entwickeln sich seitdem sehr vertrauensvoll und eng. Auch zwischen ehemaligen deutschen Bewohnern der damaligen Ostgebiete und den heutigen polnischen Einwohnern sind inzwischen viele Freundschaften entstanden: Besondere Katalysatoren in dieser Verständigung sind die Kirchen sowie Teile der Vertriebenenverbände. Auch in Polen wächst das Interesse an der Beschäftigung mit dem "Komplex der Vertreibung", einschließlich der Vertreibung von Polen aus den damaligen Ostgebieten. Ein weiterer Höhepunkt der besseren Beziehungen zwischen Polen und Deutschland war 2004 die Einladung an den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder zu den Feierlichkeiten zu dem 60. Jahrestag des Warschauer Aufstandes von 1944. Schröder war damit der erste deutsche Politiker, der an den alljährlich wiederkehrenden Feiern teilnehmen durfte. Bitterer Beigeschmack waren die an den Besuch Schröders sich anschließende Diskussionen, um Wiedergutmachungsleistungen an die deutschen Vertriebenen, die dazu führten, dass in Polen neue Ängste gegenüber Deutsche in der Vordergrund rückten.

Polen gilt heute als wirtschaftlich aufstrebender, stabiler und demokratischer Staat, was in seiner Aufnahme in die NATO (12. März 1999) und in die Europäische Union (1.05 2004), nach dem sich eine Mehrheit der polnischen Bürger (73 Prozent Jastimmen bei einer Beteiligung von ungefähr 59 %) in einer Volksabstimmung in dem Juni 2003 für den EU-Beitritt äußerst hatte, Ausdruck findet. Der Grad der Westintegration Polens findet u. a. auch in der Übernahme der Verwaltung einer von drei Besatzungszonen in dem Irak nachdem 3. Golfkrieg 2003 seinen Ausdruck.

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